Artikelreihe für Einsteiger Teil I – Wieso brauchen wir überhaupt Bitcoin?

Beginnen möchte ich mit den Gründen, wieso wir überhaupt so etwas wie Bitcoin benötigen. Viele Artikel und Videos starten direkt mit der Funktionsweise von Bitcoin, aber ich persönlich finde es viel wichtiger nicht damit zu beginnen, was Bitcoin ist, sondern warum man es braucht. Dafür sollen in diesem Artikel die aktuellen Probleme unserer Finanzwelt aufgezeigt werden. Darauf aufbauend schauen wir dann im nächsten Artikel, wie Bitcoin diese Probleme möglicherweise lösen könnte.

Wir haben schon seit längerer Zeit große Schwierigkeiten in zwei Bereichen: Zahlungen im Internet und der Aufbau unserer Finanz- bzw. Bankensystems. Insbesondere dadurch, dass wir immer mehr Dinge im Internet erledigen, haben sich diese Probleme in den letzten Jahren sehr verstärkt.

Das klingt jetzt auf den ersten Blick ziemlich kompliziert, aber mit einigen alltäglichen Beispielen wird das schon klarer. Den Artikel habe ich deshalb in zwei Abschnitte aufgeteilt und wir betrachten die beiden Probleme einfach einmal getrennt.

Zuvor muss ich noch erwähnen, dass es natürlich sehr schwierig ist die gesamten Zusammenhänge zu erfassen und darzustellen. Die Erläuterungen in diesem Artikel sind alle sehr vereinfacht beschrieben und auch die Sichtweisen sind auf wesentliche beschränkt. Ich gebe in diesem Text nur meinen bisherigen Wissensschatz und meine subjektiven Meinungen dazu wieder.

Das Problem Nr. 1 – Zahlungen im Internet

Wir kennen es alle: wir kaufen unsere Bücher über das Internet, zahlen unsere Rechnungen per Online-Banking oder überweisen Freunde Beträge per Paypal. Diese Zahlungen haben aber alle einige Probleme, die uns vielleicht noch gar nicht wirklich bewusst sind. Dafür starten wir aber erstmal damit, wie so eine Transaktion bzw. in der realen Welt ablaufen würde.

Um das Problem der Transaktionen oder Zahlungen zu beschreiben nehme ich mal ein einfaches Beispiel: Du verkaufst einer dir fremden Person eine Uhr für 50€. Jetzt geht es nur noch darum, dass du die 50€ erhältst und der Käufer deine Uhr.

Schauen wir uns nun mal an wie diese Transaktion in der realen Welt und anschließend im Internet ablaufen.

Zahlungen in der realen Welt

Der unkompliziertese Weg ist, dass ihr euch an einem vereinbarten Ort trefft, der Käufer dir die 50€ überreicht und du ihm anschließend deine Uhr. Die Transaktion ist damit abgeschlossen, jeder hat das bekommen, was ihm zusteht und ihr beide seid zufrieden.

Aber wieso kann diese Transaktionen mit einer fremden Person funktionieren? Wenn ihr euch persönlich gegenübersteht, siehst du zum einen, dass dein Gegenüber die 50€ auch besitzt, denn er hält sie ja in der Hand. Also kannst du dir sicher sein, dass er ausreichend Geld auf seinem „Konto“, also in der Hand hat, um dir deine Uhr zu bezahlen. Wenn er dir den 50€ überreicht, weißt du, dass das Geld jetzt dir gehört und der Käufer ist jetzt um 50€ leichter und kann es nicht anderweitig ausgeben.

Eine persönliche Zahlung in der realen Welt: Die Transaktion funktioniert ohne Probleme, auch wenn ihr euch nicht kennt.

Gehen wir jetzt mal davon aus, dass der 50€ Schein nicht gefälscht ist oder einer von euch beiden einfach wegläuft, ohne seinen Teil übergeben zu haben, dann kommt ihr komplett alleine zurecht. Ihr benötigt keine Bank oder Dritten der das ganze überwacht, obwohl ihr euch überhaupt nicht kennt.

 

Jetzt stellen wir uns aber mal vor, dass ihr in unterschiedlichen Städten oder sogar Ländern wohnt und der Käufer dir gerne die 50€ über das Internet zahlen möchte.

 

Zahlungen im Internet

 

Die gleiche Transaktion möchtet ihr jetzt über das Internet durchführen und zur Erinnerung, ihr kennt euch gegenseitig nicht. Im Gegensatz zu einem Familienmitglied oder einem guten Freund bist du deshalb vorsichtig, da du ihm nicht direkt traust.

 

Wie kann er dir also am besten das Geld zusenden? Die einfachsten Antworten die mir da direkt einfallen sind da per Banküberweisung (eigentlich nur dann wenn Käufer und Verkäufer in der EU leben) oder über einen Zahlungsdienstleister (wie Paypal). Die Variante einen 50€ Schein einfach in einen Briefumschlag zu stecken und abzuschicken, lasse ich hier jetzt mal außen vor. Ist auch nicht wirklich zu empfehlen.

Eine Zahlung über das Internet: Die Transaktion funktioniert nur über eine Bank oder einen Zahlungsdienstleister.

Ihr einigt euch also auf eine der beiden Varianten, du erhältst dein Geld und bist glücklich. Die Zahlung hat auch über das Internet funktioniert, denn du konntest darauf vertrauen, dass der Käufer auch wirklich das Geld besitzt, um deine Uhr zu bezahlen und dass das Geld auch bei dir ankommt.

 

Aber welche Rolle spielt dabei die Bank bzw. der Zahlungsdienstleister? Diese agieren als Drittparteien, sie werden also in eure Transaktion mit einbezogen. Sie stellen sicher, dass der Käufer überhaupt die 50€ auf seinem Bankkonto oder seinem Guthabenkonto hat und diese versenden kann. Dann versprechen sie, dass das Geld bei dir ankommt und sie stellen sicher, dass der Käufer diese 50€ nicht noch einmal benutzt, also bspw. damit noch eine weitere Uhr kauft.

 

Jetzt könntest du sagen: „Wo ist jetzt genau das Problem? Ich habe mein Geld bekommen und alles ist gut.“ Richtig, aber dadurch, dass der Verkäufer und du eine Drittpartei ins Boot holt entstehen einige Probleme, die man sich genauer anschauen sollte.

 

6 Probleme bei Zahlungen über Drittparteien

 

  1. Vertrauen

Du erinnerst dich daran, dass du den Käufer nicht kennst und du ihm deshalb nicht wirklich vertrauen kannst, ob er überhaupt das benötigte Geld besitzt und es dir auch sicher transferiert? Beim Einbezug einer Drittpartei vertraut ihr beide ab sofort dieser. Natürlich ist dein Vertrauen in eine Bank oder in Paypal größer als in eine dir fremde Person, aber woher weißt du genau, ob diese die Kontostände richtig pflegen oder die Transaktionen korrekt ausführen? Du legst also das Vertrauen in die Hände der Banken und Zahlungsdienstleister.

 

  1. Sicherheit

Durch die Abgabe deines Vertrauens an die Drittpartei, vertraust du auch darauf, dass deren Systeme sicher sind. Was passiert wenn Paypal & Co. angegriffen werden und Kriminelle es schaffen die Konten leer zu räumen oder Transaktionen so zu manipulieren, dass diese nicht korrekt ankommen? Man geht natürlich davon aus, dass dein Geld bei einer Bank oder Dienstleister sicherer gelagert ist, als bei bspw. bei dir zuhause. Aber der große Nachteil ist, dass das Geld vieler Personen zentral gelagert ist und Hacker so mit ein einfacheres Angriffsziel haben.

 

  1. Privatsphäre

Zur Überprüfung der Kontostände und der Transaktionen müssen die Drittparteien natürlich Zugriff auf genau diese haben. Heißt, du legst sämtliche finanziellen Daten offen und die Banken bzw. Unternehmen könnten theoretisch ein riesiges Profil deiner Einkäufe, der Einnahmen usw. erstellen, dich also zu einem gläserenen Menschen machen. Dies ist insbesondere durch die immer weiter voranschreitende Verwendung bargeldloser Zahlungsfunktionen wichtig, da Bargeldzahlung aktuell unsere letzte wirkliche anonyme Zahlungsmethode ist.

 

  1. Regulierbarkeit

Da die Drittparteien Einblick auf deine Kontostände und Transaktionen haben, können sie theoretisch auch Transaktionen unterbinden, wenn diese z.B. nicht mit den Unternehmensstandards vereinbar sind oder der Staat ganze Konten einfrieren lassen möchte. Dies kann theoretisch jedem passieren, obwohl es ja eigentlich dein Geld ist und du es verwenden kannst wofür du möchtest.

 

  1. Kosten

Die Banken & Co. übernehmen die Verantwortung natürlich nicht kostenlos und auch diese müssen für Gebäude, Personal, Anwälte und Sicherheit bezahlen. Deshalb verlangen sie Gebühren. Entweder durch Kontoführungsgebühren oder Transaktionensgebühren. Diese Gebühren siehst du meist nicht direkt, müssen aber bspw. von Onlineshops bezahlt werden, wenn sie Zahlungsdienstleister verwenden. Und die Betreiber geben die Gebühren dann indirekt über Preiserhöhungen an dich als Kunde weiter.

 

  1. Geschwindigkeit

Hast du dich schon mal gefragt, wieso eine Überweisung bei Banken nicht ins Echtzeit geschehen, sondern manchmal bis zu 2-3 Tage dauern? Da die Banken eine hohe Verantwortung besitzen, müssen sie die Transaktionen natürlich überprüfen und können sie dann erst weiterleiten. Die Geschwindigkeit ist aus diesem Grund so gering, obwohl bei digitalen Transaktionen nur ein paar Zahlen auf Konten geändert werden müssten.

Wie du siehst ist die Verwendung von Banken und Zahlungsdienstleister beim Verkauf deiner Uhr möglich, aber so richtig gut hört sich die ganze Sache ja nicht an, oder? Bei der persönlichen Übergabe des Geldes hat es ja auch ohne Drittpartei funktioniert, gibt es dann nicht auch eine Möglichkeit die Zahlung über das Internet ohne Dritten durchzuführen? Da muss ich die leider enttäuschen, denn die bisherige Antwort lautet: Nein.

Direkte Zahlungen über das Internet ohne eine Bank oder einen Zahlungsdienstleister sind bisher nicht möglich.

Aber wieso kann denn eine eigentlich so einfach Transaktion über das Internet nicht funktionieren, obwohl wir über das Netz ja inzwischen fast alles erledigen können? Das Problem liegt darin, dass digitale Werte (die ja so gesehen nur aus Nullen und Einsen bestehen) im Gegensatz zu physischen Werten (wie bspw. ein Geldschein) ganz einfach kopiert werden können. Eine einzige E-Mail kannst du bspw. gleichzeitig an mehrere Personen versenden. Würdest du das nun mit einem digitalen Geldschein machen, woher wüsste der Empfänger denn, dass du diesen Geldschein nicht auch noch anderen Personen schickst? Oder dass du deinem Kontostand einfach ein paar Nullen anhängst und somit in kürzester Zeit Millionär wärst? 

Im Internet muss der Geldversand immer von jemandem überwacht werden, um Betrug zu verhindern. Und zur Überwachung benötigt man eben jemand Drittes der als „neutrale“ Partei die Transaktion kontrolliert. Dieses Problem der mehrfachen Verwendung von digitalem Geld über das Internet wird auch Double-Spending-Problem genannt und konnte bisher nur über eine Drittpartei gelöst werden.

Um das Thema zusammenzufassen: Das Internet hat uns Menschen ermöglicht direkt mit jeder Person auf dieser Welt direkt zu kommunizieren. Wir können miteinander schreiben, telefonieren oder sogar per Video miteinander sprechen, rein theoretisch ohne eine Drittpartei dazwischen. Nur bei der Übermittlung von Werten wie bspw. Geld ist das Internet bisher an seine Grenzen gestoßen und wir müssen auf Banken und Zahlungsdienstleister vertrauen. Seit vielen Jahren wird versucht hierfür eine Lösung zu finden und ich kann ja schonmal vorweg nehmen, mit Bitcoin wurde diese Lösung entdeckt.

Das Problem Nr. 2 – Unser Finanzsystem

Das zweite Problem ist insgesamt etwas schwieriger zu erfassen, denn es betrifft unser gesamtes aktuelles Finanzsystem und unseren Umgang mit Geld, und wer versteht das schon komplett? Und um das System und das damit verbundene Problem zu verstehen muss man eigentlich ganz von vorne beginnen – bei der Entstehung von Geld

Ich werde jetzt nicht komplett auf die gesamte Geschichte eingehen, dazu gibt es genügend Artikel, Videos etc. im Internet. Empfehlen kann ich euch bspw. dieses Video von MrWissen2Go über den Ursprung von Geld. Es gibt auch viele Bücher wie „The Bitcoin Standard“ von Saifedean Ammous oder diesen Artikel von Nick Szabo über die Entstehungsgeschichte von unserem heutigen Geld. Auch die meisten Podcasts über Bitcoin aus meiner Liste haben eigentlich alle eine Folge zur Entstehung von Geld, da könnt ihr euch einfach einmal durchklicken.

Eine kurze Geschichte vom Geld

Ich versuche es hier die Entstehungsgeschichte so kurz wie möglich zu halten. Zu Beginn tauschten die Menschen ihre hergestellten Dinge wie Lebensmittel oder Waren bzw. ihre Arbeitskraft einfach untereinander aus. Also bspw. drei Brote gegen die Reparatur von einem Werkzeug. Diese Tauschgeschäfte kamen aber aus unterschiedlichen Gründen irgendwann an ihre Grenzen. Durch das Tauschen benötigte man jedes Mal einen Tauschpartner der auch genau das anbot, was man selbst benötigte. Zudem sind viele Dinge wie Lebensmittel nicht lange haltbar, man kann Waren oder Dienstleistungen keinen wirklich Wert zu sprechen oder sie sind schwer zu transportieren. 

Aus diesen Gründen begannen die Menschen Zahlungsmittel einzuführen, die haltbar, teilbar, einfach zu transportieren und vor allem schwer herzustellen sind. Denn was passiert, wenn man Steinmünzen als Zahlungsmittel einführt? Jeder kann sie selbst herstellen und deshalb sind sie am Ende auch wertlos. Daher verwendeten die Menschen zunächst seltene Muscheln oder andere Dinge, die niemand einfach so herstellen konnte.

Im Laufe der Zeit, und wir sprechen hier von mehreren tausend Jahren, stellte sich heraus, dass Gold sich als bestes bzw. als Zahlungsmittel mit den wenigstens Nachteilen erwies. Denn der große Vorteil von Gold, neben den Eigenschaften, dass es sehr haltbar und auch teilbar ist (man kann daraus Münzen herstellen), ist, dass nur in einer begrenzte Menge in der Erde vorkommt und nur mit großem Aufwand gefördert werden kann. Man kann also die Menge an Gold auf der Welt nicht einfach erhöhen oder mit einem Mal mehr fördern.

Mit der Zeit wurden die Mengen an Gold für die einzelnen Menschen ziemlich groß und man konnte das Gold auch nicht ständig mit sich herumtragen oder zuhause liegen lassen, denn das ist keine sichere Variante. Deshalb begann man das Gold in Banken zu lagern und stellte den Goldbesitzern Zertifikate aus, die bescheinigten, dass die Person eine bestimmte Menge an Gold in der Bank gelagert hat. Diese Zertifikate waren somit das erste Papiergeld wie wir es heute kennen, denn die Menschen begangen mit diesen Scheinen zu bezahlen. Da die Bank an jeden Kunden nur so viele Zertifikate herausgeben durfte, wie er auch Gold hinterlegt hatte, war die Menge dieser Scheine begrenzt und jeder konnte sich darauf verlassen, dass das Gold auch wirklich vorhanden war. 

Vergleich zwischen Gold und Fiatwährungen. Die Vor- und Nachteile sind teilweise sehr subjektiv und je nach Ansicht unseres Finanzsystems können diese auch wechseln.

Den Regierungen war diese Deckelung der Menge an Geld dann aber irgendwann ein Dorn im Auge. Denn die begrenzte Menge an Gold führt dazu, dass die Staaten auch nur in Höhe ihrer eigenen Goldreserven investieren konnten. In Krisenzeiten wie dem 1. Weltkrieg wollten die Regierungschefs aber mehr Geld für Rüstung ausgeben, also beschlossen sie die Bindung des Geldes zum Gold aufzuheben. Das bedeutete, dass ab sofort unbegrenzte Mengen an Geld in Umlauf gelangen konnten, um die Wirtschaft anzukurbeln und die Kriege zu finanzieren. Diese Währungen die von Staaten herausgegeben werden und keine Bindung zu Gold oder ähnlichem aufweisen, werden Fiatwährungen (fiat stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „so sei es“) genannt.  

1971 war es dann soweit, dass die Bindung des US Dollar, als wichtigste Weltwährung, an Gold aufgehoben wurde. Der sogenannte Goldstandard, also die Bindung von Währungen an Goldreserven, war damit Geschichte.

War es also damals der Grundgedanke von Geldscheinen den Menschen zu bestätigen, dass jemand eine gewisse Menge an Gold in der Bank lagern hat, besitzen unsere Scheine heutzutage keinen direkten Gegenwert mehr. Das System basiert somit nur noch auf dem Vertrauen in unseren Staat und die zukünftige Akzeptanz unseres Geldes in der Gesellschaft.

Die Gelddruckmaschine

Wie du jetzt gelernt hast, ist die Geldmenge heutzutage flexibel vom Staat veränderbar. Wie diese „Herstellung von Geld aus der Luft“ jetzt genau funktioniert soll in diesem Artikel keine genauere Rolle spielen, da es hierfür keine große Bedeutung spielt. Auch die genauen Auswirkungen würden hier jetzt den Rahmen sprengen und werden aber sicherlich in einem späteren Artikel nochmal aufgegriffen.

Die unbegrenzte Möglichkeit die Geldmenge in die Höhe zu treiben hat aber eine entscheidende Gefahr, die wir alle spüren können: Wenn die Geldmenge wächst und gleichzeitig die Anzahl der produzierten Güter in einem Land gleich bleibt, dann erhöhen sich auch die Preise der Waren. Das Ganze nennt man Inflation (oder Geldentwertung).

Als Beispiel: wenn die Geldmenge um 10% ansteigt und die Produktion von Lebensmittel gleich bleibt, dann steigen auch die Preise für Lebensmittel um 10%. Das bedeutet aber, dass du dir mit deinem Einkommen, das du diese Woche überwiesen bekommst, in ein paar Jahren weniger kaufen kannst, da es jährlich (fast unsichtbar) an Wert verliert. Das ist jetzt zwar sehr vereinfacht ausgedrückt, aber es beschreibt den Zusammenhang ausreichend. 

Vereinfachte Theorie der Inflation: Die Geldmenge steigt an, die Menge der hergestellten Waren bleiben konstant, dadurch müssen die Preise der Waren ansteigen.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Wenn das Geld durch die Erhöhung der Geldmenge entwertet wird und die Bürger damit weniger einkaufen können, warum macht der Staat das dann überhaupt? Die Regierung verwendet die flexiblen Geldmengen als Mechanismus, um die Wirtschaft zu steuern. Durch die Geldentwertung und Preissteigerungen geben die Menschen automatisch ihr Geld schneller aus, denn sie merken ja, dass ihr Geld zukünftig weniger Kaufkraft besitzt, sie also weniger damit kaufen können. Beim Gegenteil der Inflation, der Deflation, sinken die Preise zukünftig und die Menschen sparen ihr Geld lieber, da es in ein paar Jahren einen größeren Wert hat. Durch geringeren Ausgaben und Investitionen wird die Wirtschaft verlangsamt.

Eine starke Wirtschaft ist natürlich das Ziel der Staaten, deshalb versuchen diese die Inflation immer bei ca. 2% zu halten. Bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass dein Geld mit der Zeit immer weniger Kaufkraft besitzt. Wenn man jetzt bedenkt, dass du mit deinem Geld deine Arbeitszeit und deine Produktivität speicherst, um sie später für etwas auszugeben, dann klingt das nicht wirklich fair, oder?

Der Freifahrtsschein für die Banken

Das zweite Problem am Finanzsystem steht im Zusammenhang mit der theoretischen Möglichkeit unbegrenzt Geld zu erschaffen. Die Tatsache, dass unser Papier- und Münzgeld nicht mehr an Goldreserven gebunden ist, gilt ebenfalls für das Geld, dass die Banken für dich aufbewahren, das sie verleihen oder bei Transaktionen nutzen. Heißt, das Geld von Konten und Transaktionen existiert nur auf dem Papier bzw. Computer und ist nur zu einem Bruchteil mit realem Geld gedeckt. 

Nehmen wir zum Verständnis wieder mal ein Beispiel: Du zahlst bei deiner Bank 100€ auf dein Konto ein. Da sie dein Geld nicht vollständig behalten muss, kann sie einen Teil über bspw. Kredite weiterverleihen. Wir nehmen mal an, dass bei der Bank nur 10% deines Vermögens auch wirklich vorrätig sein muss. Nun möchte sich Max von deiner Bank 90€ leihen. Die Bank vergibt Max nun einen Kredit über 90€ und verwendet dafür die 90€ von deinem Konto. Mit einem Mal wurden aus deinen eingezahlten 100€, 190€ (100€ von dir plus die 90€ von Max). Max zahlt sein Geld dann wieder auf seinem Bankkonto ein und das Spiel beginnt wieder von vorne, da die Bank natürlich auch hier wieder einen Anteil des Guthabens verleihen kann. 

Wie aus 100€, 190€ werden können: Du zahlst 100€ ein, die Bank muss nur 10€ Reserve behalten und verleiht die restlichen 90€ wieder weiter. So entstehen aus dem Nichts 190€.

Dadurch entsteht eine lange Kette, wodurch eine fast unbegrenzte Menge an Geld durch die Bank erstellt werden kann. Dies nennt sich auch „fractional reserve banking“ oder auch „Mindestreserve-System“, da die Banken nur ein Mindestmenge des Bankguthaben als Reserve zur Auszahlung verfügbar haben müssen. Das heißt aber auch, dass wenn alle Bankkunden auf einmal beschließen ihr Geld abzuheben, ein sogenannter „Bankansturm“, die Auszahlung der Guthaben nicht möglich wäre.

Dieses System führt natürlich wieder zu einer erhöhten Geldmenge und damit zu einer weiteren Geldentwertung. Darüber hinaus erhalten die Banken einen enormen Spielraum, da sie mit Geldmengen arbeiten können die sie eigentlich überhaupt nicht besitzen.

Unser ursprüngliches Geld war einmal an die Goldreserven einzelner Personen bzw. später an die der Staaten gekoppelt. Diese Bindung wurde schon längst aufgehoben und die Geldmenge kann von Staaten und Banken flexibel angepasst werden. Dadurch besteht unser Geldsystem nur noch auf Vertrauen in die jeweiligen Akteure. Ob das sein sicheres Fundament ist? Das muss wohl jeder für sich selbst beantworten.

Geld war mal dafür gedacht Wert/Arbeit zu speichern, geht aber nicht mehr da es an Wert mit der Zeit verliert, Auswirkungen auf alles, Leute müssen Anlegen, Leute machen Schulden, Staaten machen Schulden, Risiko, länger arbeiten, mehr arbeiten, höhere Preis –> Geld hat eigentlich nicht mehr den Zweck für den es mal geschaffen wurde

Was lässt sich nun daraus schließen?

Wie ihr seht hat sich unser Geld- und Finanzsystem vom Grundgedanke des Geldes als Zahlungsmittel weit entfernt. Geld war als sicherer Speicher für Arbeit und Zeit gedacht und wurde deshalb durch etwas begrenztes wie Gold gedeckt. Durch die wirtschaftlichen Interessen der Staaten und Banken wurde dieses System aber immer weiter aufgeweicht.

Heute besteht unser Vertrauen in das Finanzsystem eigentlich nur noch darin, dass die Regierungen stabil bleiben und jeder die Geldscheine bei der Zahlung akzeptieren.

Durch die Digitalisierung wird dieses Problem immer weiter verstärkt, da die meisten Transaktionen nur noch auf dem Computer stattfinden und man dadurch Geldmengen „durch einen Klick“ erhöhen kann. 

Die Digitalisierung führt aber auch dazu, dass die Systeme unserer Transaktionen nicht mehr zeitgemäß sind. Wie du gesehen hast, benötigen wir für Zahlungen im Internet immer eine Drittpartei, was aber zu vielen Problemen führt. Diese Probleme benötigen zukünftig alle eine Lösung, denn daraus entstehen auch sehr große Gefahren. Im nächsten Artikel dieser Reihe geht es dann darum, was Bitcoin überhaupt ist und ob Bitcoin diese Probleme lösen kann.

Wenn du noch mehr über Bitcoin erfahren möchtest, dann findest du auf meiner Seite noch weitere Artikel und Listen bspw. zu meinen Top-Podcasts, den besten ArtikelnBüchern oder Videos zum Thema Bitcoin. 

Auf meinem Twitter-Feed unter @bitcoinreadyde poste ich aktuelle Beiträge, Podcasts oder Videos zum Thema Bitcoin, die ich immer wieder entdecke. Ich würde mich freuen, wenn du mir folgst.

Weiterführende Quellen

Artikel
Bücher
Videos
Podcastfolgen
 

1 Antwort zu “Artikelreihe für Einsteiger Teil I – Wieso brauchen wir überhaupt Bitcoin?”

  1. …ein toller Bericht Jonas!

    Wirklich sehr anschaulich und vereinfacht dargestellt, leicht leserlich und verständlich.

    Jedoch mit dem Hang zum Schwarzmalerischen und evtl. zuuuuu sehr auf ‚Geld ist schlecht‘ Basis geschrieben…

    Gruß und Kuss,
    der Julius

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