Stock-to-Flow Modell mit Bitcoin II – Ist Bitcoin das bessere Gold?

Im ersten Teil dieser kleinen Artikelreihe ging es darum, welche Eigenschaften ein Gut besitzen muss, um überhaupt als Geld bzw. als Wertspeicher funktionieren zu können. Zudem habe ich das Stock-to-Flow Modell erläutert und wir haben gesehen, wieso Gold seit vielen Jahrhunderten uns Menschen als bester Wertspeicher dient. Bevor du jetzt weiterliest, empfehle ich dir den ersten Teil „Das Stock-to-Flow Modell mit Bitcoin I – Wieso ist Gold so wertvoll?“ zu lesen und dann wieder zurückzukommen.

 

In diesem Artikel betrachten wir Bitcoin im Vergleich zu Gold. Dazu erläutere ich zunächst einmal die Eigenschaften von Bitcoin und wie sich diese im Gegensatz zu Gold verhalten. Dann betrachten wir natürlich Bitcoin im Stock-to-Flow Modell und ob man es überhaupt in dieses Modell integrieren kann. Abschließend geht es darum, was wir mit dem Stock-to-Flow Modell zukünftig anfangen können und beantworten die Frage, wieso wir mit Bitcoin noch ziemlich am Anfang stehen.

 

Bitcoins monetäre Eigenschaften

In meinem Einsteiger-Artikel „Was ist Bitcoin?“ hatte ich beschrieben, dass es bisher keine Möglichkeit gab ein digitales Gut zu begrenzen und dadurch eine digitale Knappheit zu erschaffen. Bilder, E-Mails oder Musikdateien lassen sich ganz einfach kopieren und ein digitales Geld, ohne eine Überwachung durch eine Drittpartei, ist dadurch nicht möglich gewesen. Eine Kontrollpartei muss immer die Guthaben und Transaktionen der Netzwerkteilnehmer kontrollieren, um zu verhindern das Teilnehmer Geld mehrfach ausgeben („Double-Spending-Problem“). Bitcoin löst dieses Problem und kann deshalb eigenständig als digitales Zahlungsmittel bzw. Wertspeicher verwendet werden.

 

Schauen wir uns im nächsten Schritt noch einmal an welche Eigenschaften ein Zahlungsmittel bzw. Wertspeicher besitzen muss, um überhaupt funktionieren zu können. Und ob Bitcoin diese Eigenschaften erfüllen kann.

 

Zunächst muss eine Teilbar- bzw. Gruppierbarkeit möglich sein, das trifft auf Bitcoin eindeutig zu. Zweiter Punkt ist die Transportierbarkeit, die Bitcoin durch die digitalen Transaktionen wahrscheinlich so gut besitzt, wie bisher kein anderes Zahlungsmittel bzw. Wertspeicher. Der dritte Punkt, die Haltbarkeit über einen längeren Zeitraum, ist durch die digitale Speicherung im Netzwerk ebenfalls gegeben. Da es sich nur um einen Code bzw. Zeichenfolge handelt, kann Bitcoin physisch nicht zerstört werden.

In diesen Eigenschaften schlägt Bitcoin alle anderen Wertspeicher: Teilbarkeit, Transportierbarkeit und Haltbarkeit

Du siehst, Bitcoin erfüllt die Eigenschaften so gut, wie zuvor noch kein anderes Gut. Wie bereits im Kapitel zu Gold gesehen, gibt es aber noch zwei weitere Eigenschaften, die für einen Wertspeicher eine weit größere Bedeutung haben: die Knappheit sowie die jährliche Zunahme der Gesamtmenge.

 

Ich werde im Folgenden nicht zu sehr auf die technischen Details eingehen, da diese für diesen Artikel erstmal nicht relevant sind. Nehmt einfach die Eigenschaften von Bitcoin erstmal so hin, denn diese sind wichtiger als die Prozesse die im Hintergrund laufen, um diese zu ermöglichen. 

 

Bitcoin schafft es zum ersten Mal ein Gut auf unserer Erde wirklich auf eine bestimmte Menge zu begrenzen. Es werden jemals nur insgesamt 21.000.000 Bitcoin existieren und diese Menge kann von niemanden verändert werden. Diese Zahl ist mathematisch festgelegt und das gesamte Netzwerk einigt sich darauf. Im Vergleich dazu wissen wir bei Gold oder Diamanten, dass es nur eine begrenzte Menge in unserer Erdkruste gibt, aber es lässt sich nicht punktgenau voraussagen, wie viele Tonnen noch zu fördern sind. Diese genaue Vorhersage schafft Bitcoin.

Bitcoin ist das erste Gut unserer Menschheitsgeschichte, das komplett begrenzt ist.

Viel wichtiger als die Knappheit eines Gutes ist aber die Menge die dem Gesamtbestand pro Jahr hinzugefügt wird. Denn umso geringer die hinzugefügte Menge im Verhältnis zum vorhandenen Gesamtbestand ist, desto „härter“, also besser, ist der Wertspeicher. Wenn du das nochmals genauer nachlesen möchtest, findest du eine genauere Erläuterung im ersten Teil. Bei Bitcoin ist die Menge an neuen Coins, die dem Netzwerk pro Jahr zugegeben werden ebenfalls nach einer mathematisch Formel geregelt, die nicht veränderbar ist.

Bitcoin und die Kiste

Wie kann man sich das jetzt mit den 21.000.000 Bitcoin und dem geregelten Zufluss vorstellen?

 

Stell dir einfach mal eine große, leere Kiste vor, in die man von oben etwas reinschütten kann. In der mathematischen Formel von Bitcoin wurde nun festgelegt und alle die im Netzwerk teilnehmen möchten einigen sich auf diese „Spielregeln“, dass ca. alle zehn Minuten neue Bitcoins in diese Kiste gegeben werden. Die Menge wurde so bestimmt, dass zu Beginn alle zehn Minuten 50 neue Bitcoin hinzugefügt werden. Nach vier Jahren wird diese Menge dann halbiert, es kommen also immer nur noch 25 Bitcoin hinzu. Nach weiteren vier Jahren beträgt die Menge nur noch 12,5 Bitcoin und nach weiteren vier Jahren nur noch 6,25 Bitcoin und so weiter.

 

Wenn wir nun mal beginnen die Kiste alle zehn Minuten mit Bitcoin zu füllen, werden wir merken, dass sich die Kiste in den ersten Jahren sehr schnell füllt. Bei 50 Bitcoin alle zehn Minuten sind das pro Jahr knapp 2.600.000 Bitcoin und der Platz in unserer Kiste wird geringer. Führen wir den Prozess jetzt fort und halbieren alle vier Jahre die Menge Bitcoin die pro zehn Minuten hinzukommen, landen wir automatisch irgendwann bei den vorgegebenen 21.000.000 Bitcoin. Ab diesem Zeitpunkt ist die Menge der zugegebenen Bitcoin auf null gefallen. Und diesen Zeitpunkt kann man dank der mathematischen Vorgaben auch direkt vorhersagen: das Jahr 2140. Ab diesem Punkt, der zugegebenermaßen noch sehr weit in der Zukunft liegt, wird dem gesamtem Netzwerk kein einziger Bitcoin mehr hinzugefügt.

Die Kiste mit Bitcoin füllt sich immer weiter. Ab 2140 ist sie dann komplett gefüllt.

Unsere Kiste ist damit im Jahr 2140 bis an den Rand gefüllt und wir können oben einen Deckel darauf machen, denn es kommt nichts mehr hinzu. Bedeutet auch, dass man zu jedem Zeitpunkt weiß, wie hoch der eigene Anteil an der Gesamtmenge ist. Auf diesen Punkt kommt ich nächstem Abschnitt nochmal zurück.

Der große Unterschied zu anderen begrenzten Gütern wie Gold oder Diamanten ist, dass die zugegebene Menge konkret vorausgesagt werden kann. Das kannst du eindeutig in der folgenden Grafik sehen:

In dieser Grafik ist die Entwicklung der Gesamtmenge aller Bitcoin im Netzwerk dargestellt (grün) und die Menge an Bitcoin die durchschnittlich alle zehn Minuten dem Netzwerk hinzugefügt werden (blau). Die Gesamtmenge stieg zu Beginn sehr stark an und flacht dann mit der Zeit immer mehr ab, bis 2140 die maximale Menge von 21.000.000 BTC erreicht wird. Die Menge an Bitcoin, die dem Netzwerk durchschnittlich alle zehn Minuten hinzugefügt wird, halbiert sich ca. alle vier Jahre und wird dadurch bereits im Jahr 2032 nur noch ca. 144 Bitcoin pro Tag betragen. Du kannst auch auf blockchain.com genau sehen wieviele Bitcoin aktuell im Umlauf sind und wie sich die Menge entwickelt. 

 

Man muss dabei nochmals betonen, dass diese Zahlen mathematisch festgelegt sind. Wir wissen also zu jedem Zeitpunkt in der Zukunft, wie viele Bitcoin pro Tag hinzukommen und wie viele an diesem Tag bereits vorhanden sind. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, insbesondere im Vergleich zu Gold oder unserem aktuellen (Fiat-) Geld, dem Euro.

 

Bitcoins "unfairer" Vorteil

Bitcoin hat im Vergleich zu Gold oder dem Euro einen großen Vorteil: bei der Entwicklung waren die genauen Eigenschaften die einen guten Wertspeicher ausmachen bereits bekannt: Teilbarkeit, Haltbarkeit und Transportierbarkeit sowie ein geringes Verhältnis zwischen Bestand und jährlicher Zunahme. Zudem kann Bitcoin zu nichts weiterem außer als Zahlungsmittel bzw. Wertspeicher verwendet werden. Es kann nicht wie bspw. Gold oder Silber in der Industrie eingesetzt oder als Schmuck verarbeitet werden. Dadurch beschränkt sich das Angebot und die Nachfrage ausschließlich auf den monetären Wert.

 

Gold besitzt die Nachteile, dass die Menge zwar begrenzt, aber nicht komplett gedeckelt ist, da das exakte Vorkommen in der Erdkruste nicht bekannt ist. Zudem könnten durch neu entwickelte Förderungstechnologien weitere Vorkommen erschlossen werden, die aktuell noch nicht erreichbar sind. Auch die jährliche Fördermenge ist nicht, wie bei Bitcoin mathematisch vorgegeben, sondern ist abhängig von der Produktion der Minenbetreiber, was dazu führt, dass das Angebot nicht dauerhaft stabil bleibt.

Bitcoin hat die natürlichen Eigenschaften von Gold verbessert: komplette Begrenzung und vorgegebene Zunahme

Das Problem bei Gold ist, dass es ein natürliches Gut ist und wir dessen Eigenschaften nicht beeinflussen können. Im Gegensatz dazu hatte Satoshi Nakamoto bei der Entwicklung von Bitcoin das Wissen über die Voraussetzungen eines „harten“ Wertspeichers und konnte deshalb Bitcoin danach entwerfen. Diesen Vorteil nennt man auch „Angebots-Engineering“. Es wurde exakt so kreiert, sodass alle Eigenschaften eines Wertspeichers, insbesondere, die begrenzte Menge und vorgegebene jährliche Zunahme, vorhanden sind. So gesehen hat Satoshi Nakamoto Gold als Vorbild genommen und dessen Vorteile nochmals verbessert.

Wieso Bitcoin ein so guter Wertspeicher ist

Wenn wir uns an den ersten Teil dieser Artikelreihe erinnern, dann wissen wir, dass es für einen Wertspeicher sehr bedeutend ist, dass die Gesamtmenge relativ stabil bleibt. Denn nur so weiß man, dass der eigene Anteil an der Gesamtmenge auch in Zukunft den gleichen Wert besitzt.

 

Besitzt man beispielsweise einen alten Oldtimer und es gibt aktuell nur 1000 Stück auf der Welt, dann ist der Wert dieses einzelnen Wagens bekannt. Werden nun aber weitere 1000 Stück davon in einer alten Lagerhalle gefunden, dann halbiert sich der Wert des einzelnen Wagens, denn die Gesamtmenge verdoppelt sich. 

 

Interessant wird es, wenn man bedenkt, dass auch wir Menschen durch unsere tägliche Arbeit unsere Zeit sowie Produktivität einen Wert erschaffen. Diesen Wert erhalten wir durch unseren Lohn ausgezahlt, um ihn dann in der Zukunft wieder in Produkte oder Dienstleistungen umzuwandeln, die uns Zeit bzw. Produktivität ersparen. Wenn wir aber nun unseren Wert in einem Gut speichern, dessen Menge beliebig erhöht werden kann, dann sinkt auch der Wert unseres Anteils. Unsere Zeit bzw. Produktivität die wir heute erbracht haben, ist in der Zukunft weniger wert.

 

Die meisten Menschen speichern ihre Werte in einfachem Geld wie dem Euro. Andere schichten ihren Wert in Gold um. Bei diesen Möglichkeiten gibt es aber mehrere Unterschiede, dass diese verschiedene Eigenschaften besitzen. 

 

Das Kisten-Beispiel aus dem vorherigen Kapitel veranschaulicht die Unterschiede am besten. Wie wir gesehen haben, wissen wir bei Bitcoin die genaue Größe der Kiste, denn es passen nur 21.000.000 Bitcoin hinein und die zugegebene Menge ist genau vorgeschrieben. Das bedeutet man weiß bspw. dass ein Bitcoin auch in Zukunft immer genau ein Bitcoin von 21.000.000 Bitcoin sein wird. Aus diesem Grund ist Bitcoin so gut als Wertspeicher geeignet, da man sich sicher sein kann, dass sich der Anteil im Verhältnis zur Gesamtmenge niemals verändern wird.

 

Im Gegensatz dazu kennen wir bei Gold nur die ungefähre Größe der Kiste. Zudem bleibt auch die jährlich zugeführte Menge an neuem Gold relativ stabil. Bedeutet im Umkehrschluss, dass wir auch hier relativ sicher sein können, dass unser Anteil zukünftig stabil bleiben wird. Aber wir haben dabei keine 100%-ige Sicherheit, denn es kann natürlich passieren, dass weiter Vorkommen in der Erdkruste entdeckt werden und die Gesamtmenge dadurch ansteigt.

Gold ist durch seine Begrenzungen als Wertspeicher geeignet. Unser (Fiat-)Geld in keinster Form.

Schauen wir uns zum Vergleich nochmal den Euro an. Der Euro an sich ist an kein physisches Gut gebunden, das heißt er kann vom Staat bzw. den Zentralbanken „aus der Luft“ gedruckt werden. Wir wissen also nicht wie groß die Gesamtmenge des Euros ist und wie viele Euros jährlich hinzugefügt werden. Wenn wir hierfür eine Kiste entwerfen müssten, dann wäre dies noch am ehesten eine Kiste ohne Boden und die Zugabe der neuen Geldmenge wäre unvorhersehbar, man kann die Kiste niemals vollständig füllen. Das zeigt, dass der Euro als Wertspeicher komplett ungeeignet ist, denn man weiß zum einen nie wie hoch der eigene Anteil an der Gesamtmenge ist und zum anderen kann die Gesamtmenge flexibel geändert werden.

 

Wie du siehst eignet sich, wenn man nur die monetären Eigenschaften betrachtet, Bitcoin als perfekter Wertspeicher, denn es treibt die Möglichkeiten von Gold auf die Spitze. Im Gegensatz dazu ist unser Euro, bzw. alle von den Staaten/Zentralbanken ausgegebenen Währungen, als Wertspeicher nicht geeignet.

 

Das Stock-to-Flow Modell mit Bitcoin

Wir haben nun gesehen, welche Eigenschaften Bitcoin besitzt und wieso sich dadurch möglicherweise Vorteile gegenüber Gold ergeben. Schauen uns wir jetzt aber mal an, ob es möglich ist Bitcoin in das Stock-to-Flow Modell einzuordnen.

 

Obwohl bisher im Stock-to-Flow Modell nur physische Güter integriert wurden, ist es mit Bitcoin nun möglich auch ein digitales Gut damit zu betrachten. Denn Bitcoin besitzt eine bestehende Menge (Stock) und eine jährliche Zunahme (Flow). Wer sich nochmals das Stock-to-Flow Modell genauer anschauen möchte, der liest sich am besten nochmal den ersten Teil durch und den Artikel von Plan B.

 

Zum jetzigen Zeitpunkt (Mitte Oktober 2019) sind ca. 18.000.000 Bitcoin (Stock) bereits im Netzwerk vorhanden und es werden durchschnittlich alle zehn Minuten 12,5 Bitcoin hinzugefügt. Das ergibt einen jährlichen Zuwachs von knapp 700.000 Bitcoin (Flow).

 

Die Berechnung des SF-Ratios von Bitcoin lautet dann:

 

SF Bitcoin = 18.000.000/700.000 = 25,7 

 

oder 

 

Zunahme der Gesamtmenge pro Jahr = (700.000/18.000.000)*100  3,9%

 

Mit diesem SF-Ratio von 25 reiht sich Bitcoin aktuell zwischen Gold und Diamanten ein.

Das SF-Ratio der Edelmetalle und Diamanten bleibt über lange Sicht relativ stabil. Im Gegensatz dazu wird sich das SF-Ratio von Bitcoin in Zukunft noch weiter erhöhen. Wieso das? Dadurch, dass die Menge der zugeführten Bitcoin sich alle vier Jahre halbiert, halbiert sich auch der Flow. Gleichzeitig bleibt aber die Gesamtmenge relativ stabil, da verhältnismäßig nur noch wenig Bitcoin dem Netzwerk zugeführt werden.

 

Bedeutet das SF-ratio von Bitcoin wird in den nächsten Jahren immer weiter steigen, genauer gesagt wird es sich alle vier Jahre ungefähr verdoppeln. Dadurch wird Bitcoin ca. 2022/2023 Gold „überholen“.

Die zukünftige Entwicklung der SF-Ratio von Bitcoin und Gold

Durch die Verdopplung alle vier Jahre steigt das SF-Ratio zukünftig immer steiler an. Ab 2022/2023, wenn das Ratio höher ist als das von Gold, ist Bitcoin das „härteste“ Gut das wir in unserer Menschheitsgeschichte jemals gesehen haben. Bereits 2030 besitzt Bitcoin dann eine SF-Ratio von knapp 400.

 

Hier wird deutlich, dass Bitcoin genau für diesen Zweck kreiert wurde. Nur durch die begrenzte Menge sowie die immer kleiner werdende jährlichen Zugabe, kann ein Wertspeicher mit einer so hohen SF-Ratio entstehen.

 

Natürlich stellst sich jetzt die Frage, ob Bitcoin in diesem Modell eine Aussagekraft besitzt und ob man damit Vorhersagen erstellen kann. Das schauen wir uns nun in den folgenden Abschnitten an.

Was lässt sich damit jetzt anfangen? - Bitcoin im Vergleich

Die Geschichte unseres Geldes zeigt, dass Menschen immer weiter zum härtesten Wertspeicher gewandert sind, um ihre Wert langfristig zu speichern. Bis zum heutigen Zeitpunkt sind sie dabei bei Gold angelangt. Denn Gold besitzt bis heute die höchste SF-Ratio und dient deshalb als bester Wertspeicher unserer Zeit. Nun kann man sich die Frage stellen, ob der Market Value (der Gesamtwert eines Gutes/einer Anlageklasse), direkt mit der SF-Ratio zusammenhängt.

 

Der Marktanalyst Plan B, der seine Beiträge nur anonym veröffentlicht, hat diese Hypothese in seinem Artikel Modelling Bitcoin’s Value with Scarcity überprüft. In diesem Modell beschreibt er den Zusammenhang zwischen den Market Values von Edelmetallen, Diamanten sowie Bitcoin und deren SF-Ratio. Sein Modell ergab anschließend folgenden Graph:

Bitcoins Market Value im Vergleich mit Edelmetallen und Diamanten (Quelle Plan B¹)

In diesem Diagramm ist der Market Value auf der Y-Achse sowie die Stock-to-Flow Ratio auf der X-Achse dargestellt und die einzelnen Assets jeweils als Punkte eingezeichnet. Was beim ersten Blick sofort auffällt, ist, dass die Güter beinahe auf einer Geraden liegen. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit eines statistischen Zusammenhangs zwischen der SF-Ratio eines Gutes und dessen Market Value sehr hoch ist. Der Zusammenhang ist rein statisch nicht bei 100%, da es natürlicherweise noch weitere Einflüsse wie bspw. Angebot und Nachfrage nach einem Gut gibt, die den Market Value beeinflussen.

 

Bitcoin schert als einziges Gut von der roten Geraden aus und liegt unterhalb dieser. Wenn man nun davon ausgeht, dass sich alle Güter auf Grund ihrer SF-Ratio an diese Gerade annähern, dann kann man zur Annahme kommen, dass Bitcoin beim aktuellen Market Value im Gegensatz zu den anderen Gütern unterbewertet ist. Stimmt dieser statistische Zusammenhang, dann wird sich Bitcoin in Zukunft weiter der roten Geraden nähern und der Market Value weiter steigern.

 

Zudem werden sich die SF-Ratio von Edelmetallen und Diamanten zukünftig nicht weiter verändern, das SF-Ratio von Bitcoin aber schon. Deshalb ist anzunehmen, dass sich Bitcoin mit immer weiter steigendem SF-Ratio immer weiter dem Market Value von Gold annähert und sich in naher Zukunft vor diesem einordnen wird.

 

Natürlich muss man darauf hinweisen, dass dies nur ein statisches Modell darstellt und somit mit großer Vorsicht betrachtet werden muss. Aber ein statistischer Zusammenhang von SF-Ratio und Market Value wurde belegt und es wir spannend zu sehen, ob es auch in Zukunft so bleibt.

Was lässt sich damit jetzt anfangen? - Die Preisentwicklung von Bitcoin

Eine Aussage des Stock-to-Flow Modells ist, dass Bitcoin im Vergleich zu den anderen Wertspeichern noch stark unterbewertet ist. Plan B geht in seinem Beitrag aber noch ein Stück weiter, denn man kann mit diesem Modell auch zukünftige Preisvorhersagen für Bitcoin treffen.

 

Ich möchte jetzt nochmals ganz deutlich darauf hinweisen, dass die folgenden Daten nur aus einem statischen Modell heraus generiert wurden. Diese stellen keine genauen Vorhersagen dar und ich bitte euch deshalb nicht nur auf deren Basis in Bitcoin zu investieren. Die Vorhersagen können eintreffen, aber genauso wahrscheinlich das komplette Gegenteil. Wie immer: investiert nur so viel in Bitcoin, wie ihr auch bereit seid verlieren zu können.

 

Das Modell bekräftigt einen Zusammenhang zwischen der SF-Ratio eines Assets und dessen Market Value. Die SF-Ratio von Bitcoin ist zu jedem Zeitpunkt, rückblickend aber auch zukünftig, bekannt, denn der Stock und Flow kann zu jedem Punkt in der Zukunft bzw. Vergangenheit ermittelt werden. Außerdem existieren auch die historischen Preise von Bitcoin. In dessen Anfangsjahren war der Preis noch nicht genau zu bewerten, da es noch keine Exchanges gab, auf denen man Bitcoin mit US Dollar oder Euro kaufen konnte Heutzutage ist die Preisbestimmung durch die vielen Exchanges wesentlich einfacher. Aus diesen historischen Daten lässt sich nun eine Vorhersage für die Zukunft ableiten und die Preisentwicklung erstellen:

Die Preisentwicklung von Bitcoin auf Basis des Stock-to-Flow Modells (Quelle Plan B²)

In diesem Diagramm ist auf der Y-Achse der Preis pro Bitcoin sowie die SF-Ratio auf der X-Achse dargestellt. Jeder einzelne Punkt (rot) bezieht sich hier auf einen Preis von Bitcoin zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die blaue Linie zeigt den berechnet Verlauf von Bitcoin mit dem Stock-to-Flow Modell an. Verfolgt man diese Linie, bei steigender SF-Ratio weiter, dann landet man bspw. Ende nächsten Jahres, wenn Bitcoin eine SF-Ratio von ca. 50 erreicht, bei einem Preis von ca. 60.000 US Dollar pro Bitcoin. Schaut man noch weiter in die Zukunft, dann könnte Bitcoin Preise von bis zu einer Million US Dollar pro Coin erreichen. 

 

Wenn man noch weiter in die Zukunft schaut, sagt das Modell bis 2028/2029 sogar einen Preis von von über einer Million US Dollar pro Bitcoin vorher. Dies sind natürlich unbeschreibliche Summen, die zum aktuellen Zeitpunkt kaum vorstellbar sind. Doch insbesondere hier muss das Modell mit hoher Vorsicht betrachtet werden, denn zum einen liegen diese Vorhersagen noch weit in der Zukunft und zum anderen handelt es sich schlussendlich immer noch nur um ein theoretisches Modell.

 

Welche Aussagekraft hat das Stock-to-Flow Modell?

Diese Frage habe ich mir beim Schreiben dieses Artikels auch häufiger gestellt und ich denke es lässt sich nicht so einfach eine Antwort darauf finden. Bitcoin existiert nun knapp zehn Jahre und aus diesem Grund ist die Anzahl der bestehenden Datenpunkte für dieses Modell noch verhältnismäßig gering. Zudem gab es bisher nur zwei Halvings, die durch die Verdopplung des SF-Ratios für dieses Modell von großer Bedeutung sind. und bisher gab es auch nur zwei Halvings. Auf der anderen Seite muss aber betont werden, dass das Modell den bisherigen Preisverlauf beinahe zu 100% vorausgesagt hat und die Preisentwicklung der SF-Ratio gefolgt ist.

 

In seinem Beitrag beschreibt Plan B zudem, dass eine hohe Kointegration zwischen der SF-Ratio und dem Market Value gibt besteht. Das bedeutet, dass beide voneinander abhängig sind und sich fast im Gleichschritt bewegen. Erhöht sich bspw. die SF-Ratio, dann kann es eine gewisse Zeit dauern, bis der Market Value nachzieht, aber bisher hat er dies immer wieder getan. Der Preis eines Bitcoins folgt e also bisher immer der vorausgesagten Preisentwicklung. 

 

Man kann sich das in etwa so vorstellen: ein torkelnder Mensch torkelt auf einer Straße immer wieder von rechts nach links, aber auf seinem Weg verlässt er nie die Straße und kehrt immer wieder zur Mitte zurück. Ungefähr so verhält sich auch der Preis von Bitcoin. Das Schöne an dieser Frage ist, dass es im Mai 2020 zum nächsten Halving kommen wird und wir dann hautnah miterleben können, wie sich der Preis entwickelt. 

 

Es ergeben sich natürlich auch einige kritische Anmerkungen und Fragen zum Modell. Wie hoch ist der Einfluss der SF-Ratio auf ein Gut wie Gold oder Bitcoin wirklich? Ist dies der wahre Grund wieso Gold seit Jahrtausenden so wertvoll ist oder ist das nur purer Zufall? Welche Rolle spielt Angebot und Nachfrage nach Bitcoin? Wenn Menschen in fünf Jahren keinen Bedarf an Bitcoin als Wertspeicher besitzen, wie kann dann der vorhergesagt Preis entstehen? Und die wenigstens Menschen kennen dieses Modell und trotzdem besitzt Gold so einen hohen Wert, geschieht dies einfach unterbewusst?

 

Eine Frage die ich mir am häufigsten stelle ist, wenn dieses Modell öffentlich zugänglich ist und die Preisentwicklung vorhergesagt wird, wieso ist der Bitcoinpreis dann immer noch so gering?

 

Wie du siehst gibt über die Aussagekraft des Modells noch einige Diskussionsthemen, die zur weiteren Erforschung verleiten. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass das Modell die Preisentwicklung der letzten Jahr ziemlich genau darstellen kann. Nun bleibt es spannend wie sich dies in Zukunft entwickelt.

 

Fazit

Bitcoin schafft es nicht nur zum ersten Mal ein digitales Gut wirklich zu begrenzen, es wird sich in Zukunft sogar zum „härtesten“ Wertspeicher entwickeln, der unserer Menschheit jemals zu Verfügung stand. Dadurch wird es möglich sein, Werte über einen langen Zeitraum ohne Verlust zu speichern und somit viel langfristiger planen zu können.

 

Wenn wir davon ausgehen, dass wir unsere Produktivität und Arbeitszeit in Geld für eine spätere Verwendung speichern, dann wird deutlich, wie wichtig so ein langfristiger Wertspeicher für uns sein könnte. Gold stellt hierfür schon eine gute Möglichkeit dar, unser (Fiat-)Geld wie der Euro hingegen ist die schwächste, vorstellbare Möglichkeit.

 

Mit dem Stock-to-Flow Modell lässt sich Bitcoin zum ersten Mal mit anderen begrenzten Gütern wie Gold oder Diamanten in Verbindung bringen. Wie wir gesehen haben, ist die statistische Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es ein Zusammenhang zwischen SF-Ratio und Market Value besteht.

 

Die Preisvorhersagen sind zum aktuellen Zeitpunkt unglaublich hoch und nicht wirklich greifbar. Betrachtet man aber die Möglichkeiten die sich für Bitcoin als Wertspeicher ergeben, ist eine gewisse Wahrscheinlichkeit vorhanden. Trotzdem sind die Vorhersagen mit hoher Vorsicht zu genießen und nicht als Investmententscheidung zu sehen.

 

Es wird auf jeden Fall spannend zu sehen, ob das Modell der nächste Steigerung der SF-Ratio stand hält und sich der Preis dementsprechend entwickelt. Ein großer Dank geht an Plan B für diesen grandiosen Beitrag und ich empfehle euch allen diesen (englisch oder deutsch) zu lesen.

 

Wenn du noch mehr über Bitcoin erfahren möchtest, dann findest du auf meiner Seite noch weitere Beiträge sowie Listen zu PodcastsArtikelnBüchern und Videos zum Einstieg in das Thema Bitcoin. 

 

Auf meinem Twitter-Feed unter @bitcoinreadyde poste ich aktuelle Beiträge, Podcasts oder Videos zum Thema Bitcoin, die ich immer wieder entdecke.

Weiterführende Quellen

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